... und am siebten Tage sollst du ruhen ... nun ja, wir brauchten neun Tage dafür.
Nach neun Tagen kultureller Druckbetankung tat ein Tag faulenzen im Hotel mal richtig gut. Und was für ein Hotel das war! Das Maritim Jolie Ville Kings Island – und wie Könige fühlten wir uns auch!
Ein extrem weitläufiges Areal, in dem die Zimmer in sechseckigen Bungalows untergebracht sind, die über das gesamte Gelände verteilt liegen. Zum Zimmer wurden wir mit einem Golf-Kart gebracht.
Und als ich das Zimmer betrat, wünschte ich mir ebenfalls ein Golf-Kart, um zum Badezimmer zu kommen. Solch ein riesiges Zimmer, nebst ebenso großem Bett, hatten wir noch nie! Als meine Frau einmal nieste, gab es sogar ein tolles Echo... 😆
Der Service der Angestellten stand dem Gelände in nichts nach. Als ich einmal versuchte, mir ein Glas Wein nachzuschenken, stand sofort eine Servicekraft hinter mir, nahm mir die Flasche ab und übernahm das Einschenken. Und als ich einmal am Tisch niesen musste, reichte mir direkt jemand ein frisches Papiertuch. Nur kauen mussten wir noch selbst. 😅
Die Bar des Hotels war im englischen Stil eingerichtet, doch leider konnte man die Anzahl der Besucher an einer Hand abzählen.
Wir haben uns in einem Hotel selten so wohlgefühlt!
Oder um es mit einem Satz zusammenzufassen: Das Hotel in Luxor war echt luxoriös! (Kalauer #3) 😉
Unterschied zwischen Reisegruppe und Individualreise:
Reisegruppe: "Soo – einmal durchzählen: 1, 2, 3, ... 19 ... da fehlt noch einer, wir warten noch kurz..."
Individual: "So, wenn ihr wollt, dann können wir jetzt losfahren!"
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Reisegruppe: "Wir holen Sie morgen um 5:30 Uhr vom Hotel ab – verspäten Sie sich nicht, sonst müssen wir ohne Sie starten!"
Individual: "Wann möchten Sie vom Hotel abgeholt werden?"
Wir also kurz überlegt: Ausschlafen, Packen, Frühstück, Auschecken ... also Transfer um 9:00 Uhr für eine 4:30 Stunden lange Fahrt, teilweise durch die berüchtigte "Todesstraße".
Es handelt sich um die 160 km lange Teilstrecke zwischen Luxor und Hurghada, die direkt durch die Wüste führt. Diese Strecke gilt als gefährlich, da sie durch ein Banditengebiet verläuft – daher wird empfohlen, hier nur im Konvoi zu fahren.
Besonders nachts schalten Autofahrer aus Angst vor Überfällen oft ihre Scheinwerfer aus, was die Situation zusätzlich verschärft und zu zahlreichen schweren Unfällen führt.
Was ebenfalls nicht zur Beruhigung der Nerven beiträgt, sind die Verkehrszeichen kurz nach Eintritt ins Wüstengebiet, die darauf hinweisen, dass es ab hier keinen Handyempfang mehr gibt. Also nix mit "mal eben Hilfe rufen"s, wenn man überfallen wird...
...oder den Clanfürsten mal eben nach dem WLAN-Passwort fragen. 😉
Vier Stunden durch die Wüste zu fahren ist nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig. Aber da wir eine große und komfortable Limousine hatten, kamen wir gut klar.
Für mich persönlich war das Teilstück bis zum Eintritt in die Wüste wesentlich schlimmer. Wir sind – wie beschrieben – kurz nach dem Frühstück losgefahren. Auf den holprigen Straßen klopfte die Mischung aus Essen, Kaffee und Saft immer wieder gegen die Oberseite meines Magens und verlangte nach Ausgang...
Holprige Straßen sind das eine – aber in Ägypten gibt es (außer in der Innenstadt) keine Verkehrsschilder, die den Verkehrsfluss regeln. Stattdessen werden vor und hinter jeder Straßeneinmündung Bodenwellen in die Straße eingebaut – und zwar in einer Art, dass selbst die draufgängerischsten jugendlichen Einheimischen diese lieber in Schrittgeschwindigkeit nehmen, um einen Achsbruch zu vermeiden. 😅
El Gouna möchte so etwas sein wie die schöne Tochter von Hurghada – und schön ist der Ort wirklich! Außerdem so sauber wie bisher kein anderer Ort in Ägypten.
El Gouna entstand in den 90er-Jahren als Projekt eines ägyptischen Milliardärs, der den Ort komplett am Reißbrett konzipieren ließ. Es wurden so viele künstliche Lagunen und Landzungen erschaffen, dass es kaum ein Zimmer in den 18 Hotels gibt, das keinen Meerblick hat.
Dem Stadtkern (das Wort "Altstadt" verbietet sich hier von selbst – die Bewohner nennen es "Downtown") fehlt dadurch natürlich das Flair einer gewachsenen Kommune.
Die Läden bestehen ausschließlich aus Touri-Shops und Restaurants, und die Bezeichnung "ältester Pub der Stadt" (bestehend seit drei Jahren!) ringt einem eher ein Lächeln ab. 😉
Ich hatte tatsächlich vor, eine normale Hose zu kaufen, da mir eine während der Reise gerissen war (wo rohe Kräfte sinnlos walten... egal!). In El Gouna hatte ich aber leider keine Chance – mir wurden nur Jogginghosen in hundertfacher Ausführung angeboten.
Wem wie uns die Preise für Wein in den Hotels zu teuer sind, hat in El Gouna nicht gerade eine große Auswahl an Geschäften, um dort Wein oder Bier zu kaufen – denn in arabischen Ländern ist Alkohol nun mal Teufelswerk. 😉
Nach vorheriger Recherche fanden wir eine Filiale der landesweiten Kette "Drinkies". Sie liegt – wie bei uns die schäbigen Porno-Shops – hinter den "normalen" Läden, versteckt hinter den Supermärkten Best Way und El Mohandes ganz rechts am Parkplatz.
Dort bekommt man auch blickdichte Plastiktüten, damit bloß niemand sieht, was man da gekauft hat. Das Angebot ist jedoch begrenzt, also nicht zu viel erwarten.
Um das Urteil vorwegzunehmen: mal wieder ein Hotel, das am "All-Inclusive" kaputt gegangen ist – oder gerade kaputt geht.
Die guten Punkte zuerst:
Perfekte Lage (natürlich direkt am Meer) mit weit auseinander stehenden Liegeplätzen.
Die einzelnen Wohnebenen liegen allerdings so weit verstreut und verschachtelt, dass man sich nur sehr schwer zurechtfindet.
Viele Binnen-Pools, eine Lagune mit Meerwasser und ausreichend Platz zum Entspannen.
Neben dem allgemeinen Speiserestaurant für Frühstück und Abendessen gibt es noch drei Themen-Restaurants, in denen man gegen Aufpreis (der HP-Anteil wird verrechnet) speisen kann.
Qualität und Auswahl der Speisen: sehr gut!
Preise für HP-Gäste (einige Beispiele):
Nicht von den angezeigten Preisen täuschen lassen, sondern das Kleingedruckte lesen!
Der Preis für Ouzo wird auf der Karte mit 100 EGP (ca. 5,00 Euro) angegeben, doch inklusive Steuern und Bedienungspauschale landet man bei 6,40 Euro – plus Trinkgeld.
Die Fahrt mit dem Tuk-Tuk kostet pro Strecke 25 EGP oder 2 Euro.
Die Fahrer freuen sich, wenn sie ihre angesammelten Euromünzen in Scheine umtauschen können, da Münzen bei den Banken nicht in Pfund eingetauscht werden können.
Das Konzept mit "All-Inclusive" bzw. "Halbpension" haben wir erst am letzten Abend von einem netten Kellner an der Lagunen-Bar erklärt bekommen:
HP-Gäste erhalten bei einer Bestellung 0,15 Liter – All-Inclusive-Gäste bekommen die doppelte Menge.
Wenn man das aber nicht weiß und der Service nicht einheitlich bedient, ist das Ganze ziemlich verwirrend.
Dieses Hotel ist auch als Kite-Surf-Hot-Spot bekannt (ich "liebe" diese Aneinanderreihung von Anglizismen... 🙃).
Und für Kite-Surfen braucht man: Wind – und den gibt es reichlich an der Bucht des Hotels.
Allerdings wirken Windstärken 5–6 für den normalen Strandbesucher eher störend – besonders, wenn es nur knapp 20 Grad hat...
So verbrachten wir die ersten vier Tage voll bekleidet auf den Liegen am Strand.
Angenehm und fast windstill wurde es erst an unserem letzten Tag – sehr schade!
Am 4. März endete unser ägyptisches Abenteuer. Der rührige Herr Attia von Geoplan hatte uns am Vorabend noch einmal angerufen und sich nach unserem Befinden erkundigt – wirklich sehr aufmerksam!
Um die Mittagszeit erschien dann unser Fahrer, um uns zum Flughafen Hurghada zu bringen. Fast die ganze Zeit telefonierte er per Handy mit einem Kumpel, der offenbar juristische Probleme hatte.
Zwischendurch schlingerte der Wagen leicht, da der Fahrer immer wieder das Steuer losließ, um seine Kommentare mit ausladenden Gesten zu untermalen. Wir sind dann aber heil angekommen. 😅
Und dann ging es los: Frage des ersten Kontrolleurs am Flughafen: "Sie wollen nach Hamburg fliegen? Heute? Wirklich?" Was für ein merkwürdiger Start...
Dann folgten zahlreiche sich wiederholende Sicherheitsschleusen (Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen?) mit dem unfreundlichsten Personal, das ich je erlebt habe!
Die Damen und Herren konnten sich nicht auf Englisch mit den Fluggästen verständigen, wenn es etwas zu beanstanden gab. Stattdessen wurden wir mit Gesten, bösen Blicken und einem "schneller, schneller" durch die Kontrollen gescheucht – ein wahrlich herzlicher Umgang mit Gästen! Man musste sich sehr im Griff haben, um nicht zu explodieren...
Nach der letzten Schleuse und dem ultimativen letzten Stempel ging es dann aber tatsächlich und pünktlich los.
In Hamburg angekommen, legten wir im wahrsten Sinne des Wortes einen "Kaltstart" hin, denn unsere Heizung war ausgefallen! 😨
Und ... ja! Es war Winter, und ... ja! Es war kalt! Das ganze Haus war auf unter 10 Grad abgekühlt, sodass wir erst einmal den Notdienst rufen mussten... Und das bei der immer noch anhaltenden Bronchitis meiner Frau!
Damit endet unsere erste Reise des Jahres! Das Fazit fällt für mich sehr positiv aus (trotz allem Gejammer) – für meine Frau jedoch etwas weniger, aus mehreren Gründen:
Wir wussten beide, dass man sich in arabischen Ländern nicht so frei bewegen kann, wie in unseren "üblichen" Urlaubsregionen, aber der Spaßfaktor, den wir sonst auf unseren Reisen hatten, ist dieses Mal leider deutlich zu kurz gekommen.
Der nächste Bericht erscheint Anfang April – dann geht’s nach Budapest!