Berichte aus fernen Regionen und besonderen Ereignissen

Datum: Februar 2019
Cairo
Assuan und Luxor
El Gouna

Ägypten
جمهورية مصر العربية

Wenn sonst schon zu nix zu gebrauchen, kann diese Seite wenigstens etwas zur Flaggenkunde beitragen 😉

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Ägypten ist ...

... tja ... was ist Ägypten? Eines ist sicher: Es lässt sich nicht in wenigen Worten beschreiben und muss mindestens in zwei völlig unterschiedlichen Kategorien betrachtet werden!

Die meisten kennen Ägypten wohl von den Urlaubsresorts in Hurghada oder Sharm-El-Sheikh. Am Ende unserer Reise haben wir auch ein solches Resort kennengelernt: El Gouna, ein Vorort von Hurghada – doch dazu später mehr.

Ein Aufenthalt in einem Resort ist natürlich nicht ansatzweise mit unserem ersten, kulturellen Teil der Reise zu vergleichen und muss völlig anders betrachtet und bewertet werden!

Ägypten kämpft immer noch mit den Auswirkungen der politischen Revolutionen, und das spürt man an jeder Ecke, wenn man im Land unterwegs ist. Geld ist in vielen Haushalten weiterhin extrem knapp, sodass viele Menschen auf Nebenverdienste angewiesen sind.

Und glaubt mir: Wenn eine alte Frau am Straßenrand Tempotaschentücher verkauft, tut sie das nicht aus Spaß, sondern weil sie das Geld dringend braucht – aber dennoch zu stolz ist, um zu betteln. Leider gibt es aber auch viele andere, die genau das tun.

In den Ballungszentren trifft man auf arme und ärmste Menschen, aber eben auch auf Schurken und Halunken, die die Notlage anderer skrupellos ausnutzen.

Generell sollte man bettelnden Kindern nichts geben, da sie oft von ihren Eltern zum Betteln geschickt werden, anstatt in die Schule zu gehen.

Noch ein Wort zu Euro-Münzen:
In vielen Reiseführern steht, dass man in Ägypten keine Euromünzen geben soll, da sie bei Banken nicht getauscht werden können. Das hat sich mittlerweile komplett geändert!

In vielen Geschäften bekommt man sogar einen besseren Kurs, wenn man mit Euro – auch Münzen – zahlt. Und selbst die Bettler fragen inzwischen gezielt nach einem Euro – fast wie in der Hamburger Innenstadt: "Haste ma nen Euro..." 😅

Aber nun zu unserer Reise:

Schon als Kind hatte ich den Traum, einmal die Pyramiden und die Sphinx mit eigenen Augen zu sehen. Deshalb haben wir diese Reise so geplant, dass der erste Teil ganz im Zeichen der Kultur steht, während wir im zweiten Teil entspannen und abschalten konnten.

Ägypten, mit seiner über 5.000 Jahre alten Geschichte, bietet kulturell so viel wie kaum ein anderes Land – ein echtes Paradies für Geschichtsbegeisterte!

Beginnen wir den Bericht ganz chronologisch – also in Frankfurt. 😉

Ägypten-Urlaub

Anreise (Frankfurt / Kairo)

Wie sieht ein perfekter Start in den Urlaub aus?

Für uns vielleicht so:

  • Am Vorabend in aller Ruhe die Koffer gepackt
  • Gut ausgeschlafen, letzte Sachen zusammengelegt, einen kleinen Snack genommen
  • Taxi bestellt und ohne Eile zum Flughafen gefahren
  • Bei Lufthansa zum Transferflug nach Frankfurt eingecheckt – aber Moment...
  • Meine Vielflieger-Vergünstigungen genutzt: vorbei an der langen Warteschlange zum Business-Check-in, dort direkt vom First-Class-Check-in abgefangen und ohne Wartezeit die Koffer aufgegeben
  • Dank Vielflieger-Status auch durch die Fast Lane bei der Sicherheitskontrolle – wieder ohne Wartezeit
  • Flug ohne Verspätung mit reichlich Freiraum für Arme und Beine
  • In Frankfurt angekommen – bei strahlendem Postkartenwetter auf dem Konstablerwache-Markt mit Wein und Wurst entspannt
  • Ein Hotelzimmer über Secret Escapes für 69 € statt 139 € ergattert – inklusive Frühstück und 2x2 Tageskarten für den Nahverkehr

Was soll ich sagen? Genau so ist es geschehen!

Einziger Wermutstropfen: Wir konnten unsere Freunde nicht treffen. Ich hatte gerade eine schwere Erkältung hinter mir, meine Frau steckte aber noch mitten drin – und wir wollten die hochschwangere Freundin keinesfalls gefährden. Schade!!
(Die Hustenkrämpfe haben meine Frau leider bis zum Ende der Reise begleitet...)

Und noch eine kleine Einschränkung des Wohlgefühls: Das Abendessen im Steakhaus Maredo. Ein so geschmacksbefreites Essen haben wir lange nicht erlebt – oder vielleicht sogar noch nie!

Der nächste Morgen:

... war ein reiner (blöder) Transfertag. Nach dem Frühstück aufs Taxi gewartet – und dann versetzt worden! Und das ausgerechnet von meinem Lieblingsfahrer – ohne Nachricht... Also per S-Bahn zum Flughafen gefahren (zum Glück im Hotelpreis inkludiert – immerhin 35 € gespart, kann man ja auch mal so sehen 😉).

Dann einen zähen Eincheckvorgang von Egypt-Air (über Lufthansa) über uns ergehen lassen.

Klasse war allerdings, dass Egypt-Air allen Passagierklassen ein kostenloses warmes Essen serviert. Auch kalte und warme Getränke kann man so viel bestellen, wie man möchte. Das kennt man von anderen Airlines ja kaum noch. Auf dem Rückflug mit Condor gab es nicht mal Wasser umsonst!

Nach der (soll ich jetzt ""üblichen" schreiben?) Verspätung mit sagenhaften fünf ( ! ) Warteschleifen über Kairo gab es gleich mehrere Überraschungen:

  • Empfang durch die Reiseleitung → direkt hinter dem Ausgang vom Flugzeug, noch weit vor der Personenkontrolle und der Gepäckausgabe.
  • Visum direkt in den Pass geklebt → und entgegen jeder Erwartung: Bei 2x 23 € geforderten und 50 € gegebenen haben wir tatsächlich 4 € in Münzen zurückbekommen!
  • Passkontrolle → Die Beamtin haute mit gepflegter Langeweile ihren Stempel auf das Visum – das war’s... Gepäckaufnahme war ebenfalls in wenigen Minuten erledigt, sodass es direkt weiter zum Hotel ging.
  • Nächste Überraschung:
    Als wir das Flughafengebäude verließen, bemerkten wir eine in dieser Region eher unerwartete Substanz, die senkrecht vom Himmel fiel: Regen! In Ägypten!! In unserem Urlaub!!! Ich habe später nochmal genau in den Reiseunterlagen nachgeschaut: Das hatte ich nicht mitgebucht!! 😆
  • Ankunft spät nachts (zumindest für unsere Verhältnisse) im Hotel Steigenberger am Tahrir-Platz, und...
  • Nächste Überraschung:
    Die Sicherheitskontrolle, um ins Hotel zu kommen, war wesentlich strenger als die am Flughafen!
  • Um auf das Hotelgelände zu gelangen, wurde unser Fahrzeug von einem Spürhund umkreist. Uns wurde gesagt, dass er nach Sprengsätzen sucht – aber so, wie der aussah, hätte der nicht mal eine Salami erschnüffeln können. 😅
  • Direkt hinter dem Hoteleingang gab es eine Personenkontrolle, wie am Flughafen – mit Gepäckdurchleuchtung und persönlicher Durchsuchung.
  • Und dieses Prozedere mussten wir ab jetzt jedes Mal durchlaufen, wenn wir ins Hotel wollten...

Im Hotel haben wir uns dann gefreut, dass unser Guide beim Einchecken behilflich war – und vor allem darüber, dass wir ein Twin-Bett-Zimmer im obersten (zehnten) Geschoss bekamen, sodass wir weniger Straßenlärm zu befürchten hatten.

Oben angekommen klang es allerdings so, als hätten sie die Null bei der 10 vergessen und wir wären im ersten Geschoss gelandet... Blöde Schall-Reflexionsverstärkung in obere Stockwerke!

Das Buffet zum Frühstück und Abendessen war klasse. Vielfältig, Vorspeisen und Desserts sehr ansprechend angerichtet. Toll war auch, dass jedes Zimmer täglich eine große Flasche Wasser kostenlos zur Verfügung gestellt bekommt und auch die nichtalkoholischen Getränke aus der Minibar frei waren.

Tag 3 – Erster Tag in Kairo

Heute stehen die ersten Trümmer auf dem Programm: Morgens besuchten wir Memphis und die Stufenpyramide, nachmittags dann die Pyramiden samt dem Sphinx. (Ja, dem oder der Sphinx! Ich musste mich auch belehren lassen, dass die bekannteste Figur männlich ist – es aber natürlich noch weitere Sphingen gibt, darunter auch weibliche.)

Memphis – die erste Hauptstadt Ägyptens – war nicht sonderlich aufregend. Ein Freilichtmuseum mit einer kolossalen Statue von Ramses Fragt der kleine Amenophis in der Hieroglyphen-Stunde seinen Lehrer:
'Wird Ramses, der potente Herrscher, mit zwei oder drei Hoden geschrieben?'
II und ein paar anderen mehr oder minder gut erhaltenen Artefakten... das war’s!

Danach ging es zur Stufenpyramide von Djoser, wo wir auch das Grabmal von Imhotep zu sehen bekamen.

Nach einer Mittagsstärkung und dem obligatorischen Besuch einer Teppichknüpferei wurden wir endlich zum ersten Höhepunkt unseres Kairo-Aufenthaltes gefahren: die Cheops-Pyramide! Zum Glück hatte ich ein leichtes Jäckchen dabei, denn es war a... kalt und b... windig. 😅

Aber trotzdem war es (Achtung, Kalauer-Alarm!) pyramidal. Neben der Cheops-Pyramide stehen in Hinkelsteinwurfweite noch einige weitere, kleinere Pyramiden – unter anderem von Mutter und Ehefrauen. Hier entstand auch das erste Bild unserer Startseite.

Der Eintritt zur ausgestellten Sonnenbarke von Cheops kostet 50 EGP extra – (ca. 2,50 € zu der Zeit) ist es aber definitiv wert!

Und dann: der Sphinx! Natürlich war der Andrang riesig, aber ich habe trotzdem einige gute Bilder machen können (so denke ich jedenfalls... siehe auch in der Bildergalerie).

Dass es danach noch zu einem weiteren obligatorischen Zwischenstopp bei einem Parfumhändler kam, hat uns nicht weiter geärgert – im Gegenteil!

Meine Gattin hat ihren lang vermissten Duft "Secret Of The Desert" wiedergefunden (und natürlich auch gleich gekauft – neben einigen anderen, darunter das Pendant für mich: "Secret Of The Night"... 😉).

Glücklich und erschöpft kehrten wir ins Hotel zurück und fielen trotz Verkehrslärm in einen tiefen Schlaf.

Tag 4 – Kirchen und Ägyptisches Museum

Heute tauchen wir weiter in die Kultur ein:

Der Morgen stand ganz im Zeichen der Besichtigung dreier Kirchen – einer koptischen, einer jüdischen und einer evangelischen. Danach ging es zur Zitadelle, auch bekannt als Alabaster-Moschee. Was für ein Bauwerk! Die Bilder können die Schönheit nur begrenzt wiedergeben:
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Errichtet wurde die Moschee von Muhammed Ali...

Nein, kein Scherz – nur eine Namensgleichheit! Die Moschee wurde im Auftrag von Pascha Muhammad Aly zwischen 1824 und 1884 im osmanischen Stil erbaut. Daher wird sie auch Muhammad-Aly-Moschee genannt. Sie kann heute von Nicht-Muslimen besucht werden – allerdings nur ohne Schuhe und in angemessener Kleidung.

Das Ägyptische Museum in Kairo

Für alle, die sich für Ägypten begeistern, ist dieses Museum mehr als einen Besuch wert! Zwar befindet sich die berühmte Büste der Nofretete im gleichnamigen Museum in Berlin, doch dafür gibt es hier die noch bekanntere Maske von Tutenchamun, sowie über 100.000 weitere Exponate, die die alte ägyptische Kultur in all ihren Facetten beleuchten.

Derzeit wird ein neues Museum in direkter Nähe der Pyramiden fertiggestellt, das 2020 eröffnet werden soll. Hier sollen noch mehr Ausstellungsstücke gezeigt werden, die bisher im Keller des alten Museums lagern. Das merkt man – denn in das alte Museum wird kaum noch Geld investiert, was sich an einigen Stellen deutlich zeigt.

Zum Mittag wurden wir von unseren Jungs (Fahrer und Führer) in einen typischen ägyptischen Imbiss eingeladen. Serviert wurde ein Gericht aus Nudeln, Linsen, Reis, Kichererbsen, gerösteten Zwiebeln – dazu Tomatensoße und Chili in Öl (sehr scharf!). Besonders lecker war das frittierte Brot in Chipsform mit Salz.

Auf dem Weg zu unseren Besichtigungen bekamen wir auch einen Eindruck davon, wie ärmere Ägypter mit Müll umgehen. Ein eigentlich schöner, langer Kanal war komplett mit Abfall gefüllt – alles wurde einfach hineingeworfen. Auch in den ärmeren Stadtteilen sahen wir große Müllberge mitten auf der Straße, in denen sich Hunde und Katzen tummelten. Die Regierung versucht, die Zustände zu verbessern – aber ohne ein gleichzeitiges Umdenken der Bevölkerung wird das nicht funktionieren.

Generell gebührt unserem jungen Fahrer größter Respekt: eingekeilt in einer höllisch hupenden Blechlawine, fuhr er uns unfallfrei durch den Verkehr. Noch nie haben wir so viele Wagen mit Blechschäden gesehen. Fußgänger mitten im Chaos – aber wo waren bloß die Radfahrer?

Weiter gehts mit Assuan und Luxor.